| "Im Bauhaus Dessau 1926" | |
| "Drahtfabrik Berlin_Charlottenburg 1890" | |
| "Börse" | |
| "Koalitionsverhandlungen in Bonn am 30.10.80" | |
| "Hi im Olympiastadion 1936" | |
| "Molotow in Berlin 1940" | |
| "Krupp 1904" | |
| "Wilhelm II. mit seinem Gefolge im Adlon 1907" | |
| "Hi mit seinen Generälen" | |
| "Berlin 1945" | |
| "Regen" | |
| "Kranzniederlegung III" | |
| "Tribunal II" | |
| "Machtverhältnisse Oktober 1977" |
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1934 |
geboren in Magdeburg
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1955-62 |
Chemiestudium in Heidelberg (Diplom) Druckgrafik und Karikaturen
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1962-68 |
Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Berlin bei Bernhard Heiliger
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1968 |
Eheschließung mit der Bildhauerin Christa Tewes Publikation eines Lehrbuchs über Kunststoff-Chemie und -Technik erste Plastiken aus glasfaserverstärktem Polyesterharz (GFK) Entwicklung von neuen Abformtechniken Lehrauftrag für Kunststoff-Technik an der Berliner Hochschule der Künste
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seit 1970 |
Ausführung realistischer, lebensgroßer Figuren aus GFK
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1973-99 |
Professur für Bildhauerei an der Berliner Hochschule der Künste
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1975 |
Geburt der Tochter Margherita
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1976 |
Eintritt in die Gruppe ZEBRA
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seit 1976 |
Gruppenbilder im reliefnahen Raum
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seit 1980 |
Gruppenbilder in Holz diverse Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland Mitglied des Deutschen Künstlerbundes Mitglied des Künstlersonderbundes in Deutschland
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1984 |
Arbeit über das Plastische Denken in der römischen Antike: "Spaziergänge durch die Antikensammlungen in Rom" Studienaufenthalte bevorzugt in Italien Arbeiten über Bildgeometrie Ausführung von Plastiken für den öffentlichen Raum
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seit 1985 |
Holzminiaturen
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seit 1998 |
Reliefminiaturen in Terrakotta: Landschaften und figürliche Szenen
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2005 |
19 Reliefs für die Sammlung Würth |
Bundesanstalt für Arbeitsschutz Dortmund
Freie Universität Berlin
Berlinische Galerie
Flughafen Tegel
Flughafen Bremen
Sportstadion Berlin-Neukölln
Stadt Lüdenscheid
Statistisches Bundesamt Wiesbaden
Sammlung Würth
Karlheinz Biederbick, 1934 in Magdeburg geboren, aufgewachsen in Jena, Zella-Mehlis und in einem kleinen Dorf bei Dresden, erfasst schon in früher Kindheit seine Umgebung mit dem Zeichenstift. Später gestaltet er reliefähnliche Terrains für die Spielzeugeisenbahn, mit siebzehn malt er Landschaften in Öl.
Aus Vernunft – und wohl weniger aus innerer Überzeugung – entscheidet er sich gegen ein Kunst- und für ein Chemiestudium – zunächst in Jena und ab 1955, nach der Übersiedlung in den Westen, in Heidelberg –, das er 1962 mit einem Diplom in Biochemie beendet. Nebenbei besucht er Abendkurse, u.a. im Aktzeichnen, malt in verschiedenen Stilrichtungen. Es entstehen Druckgrafiken und Karikaturen.
Schließlich folgt doch von 1962-1968 das ersehnte Kunststudium in der Bildhauerklasse von Professor Bernhard Heiliger an der Hochschule für Bildende Künste Berlin. Während der Realismus – wenn auch in einer besonderen Form mit der Bezeichnung „sozialistisch“– im Osten zum Dogma erhoben wird, ist er auf der anderen Seite Deutschlands höchst verpönt. Der Zeitgeist diktiert Informel. So beschäftigt sich Karlheinz Biederbick mit der „freien Form“, „bemüht“ sich – wie er selbst sagt – um abstrakte Plastik, kann aber keinen nachhaltigen Zugang zu ihr finden.
Nachdem 1965 sein Chemiebuch „Kunststoffe kurz und bündig“ mit dem Untertitel „Kunststoffe-Skelett“ erscheint, schockt er seinen Professor mit seiner ersten Plastik aus dem unspektakulären und von kostbarer Bronze weit entfernten Werkstoff Polyesterharz, durch Glasfasern verstärkt. Er schaut sich bei den Bootsbauern um, entwickelt neue Abformtechniken und erschafft 1970 – in Zusammenarbeit mit seiner Frau, der Bildhauerin Christa Biederbick, die bereits 2008 in dieser Galerie ausgestellt hat – das erste lebensgroße realistische Werk „Badegesellschaft“, dem weitere Arbeiten im sogenannten Polyester-Realismus folgen. Mit ihnen wird das Schönheitsideal vom Sockel gehoben und der gewöhnliche Mensch in seiner gewöhnlichen Alltagshandlung in einem scheinbar wahllos festgehaltenen Moment dem Betrachter direkt vor Augen geführt.
Von 1973-1999 ist Karlheinz Biederbick Professor für Bildhauerei an der Hochschule der Künste Berlin. Nach der Aufnahme in den Deutschen Künstlerbund, in den Künstlersonderbund in Deutschland und den Eintritt in die Gruppe ZEBRA, die sich dem Realismus verschrieben hat, folgen zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland, u.a. in Zagreb und Skopje in Jugoslawien, in London, in der Galleria Nazionale d’Arte Moderna in Rom, in der Kunsthalle Bremen, im Kunsthaus Hamburg, in der Kunsthalle Darmstadt, im Kunstpalast Düsseldorf, in der Staatlichen Kunsthalle Berlin und im Gropiusbau Berlin.
Mehrere Arbeiten befinden sich im öffentlichen Raum: z.B. „Arbeiter mit Presslufthammer“ in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz Dortmund, „Fallschirmspringer“ und „Aufbruch“ in der Freien Universität Berlin, „Eishockey“ – als gemeinsames Projekt mit Christa Biederbick – in der Berlinischen Galerie, „Vor der Stadt“ und „Flugtag“ auf den Flughäfen Berlin-Tegel und Bremen, „Großer Läufer“ im Sportstadion Berlin-Neukölln, „Fließbandarbeiterinnen“ im Statistischen Bundesamt Wiesbaden und neunzehn Terrakotta-Reliefs in der Sammlung Würth.
„Bruchzonen“ als Schlagwort dieser Ausstellung. Bruchzonen – das sind Bereiche, in denen Festgefügtes auseinandergekracht ist: ein Gesteinsverband – ein Bergmassiv oder die Erdkruste. Gesellschaftssysteme können auch in die Brüche gehen, Regierungen und Koalitionen. Brüche entstehen blitzartig oder durch den berühmten steten Tropfen. Zeit ist relativ. Und der schnelle wie der langsame Bruch ist mit dem menschlichen Auge meist nicht zu erfassen.
Aufbrüche, Ausbrüche, Durchbrüche, Einbrüche, Umbrüche oder Zusammenbrüche. Formen verändern sich, und auf jeden Fall kommt etwas Neues – solange nicht endgültig Schluss ist.
„Reliefminiaturen in Terrakotta“ als Untertitel und zugleich Oberbegriff für alle seit 1998 entstandenen Werke.
Relief. Miniatur. Terrakotta. Das steht doch im vollkommenen Kontrast zu all den vorangegangenen Arbeiten des Bildhauers, der sich Jahrzehnte der rundum ansichtigen, lebensgroßen Kunststoffplastik widmete.
Nun das Relief, abgeleitet von „relevare“ – „aufrichten“, die an eine Fläche gebundene Skulptur, als Verbindung der haptischen Eigenschaften der Skulptur mit den bildnerischen Gesetzmäßigkeiten der zweidimensionalen Zeichnung. Von Karlheinz Biederbick früher als Mischform zwischen Plastik und Bild abgelehnt.
Dazu im kleinen Format zwischen 15 x 18 und 18 x 26 cm, das die Protagonisten zu Püppchen schrumpfen lässt.
Geformt in Ton, den der Bildhauer lange als „zu gefällig und zu althergebracht“ verwirft und erst 1998 in der Hobbyabteilung eines Baumarkts „mit leiser Verachtung und ein wenig Neugier“ in seinen Einkaufswagen packt. Überwältigt von der Reaktion dieses Materials auf seinen gestaltenden Händedruck nutzt er es von da an ausschließlich für die neue Ära seiner „plastischen Bilder“, für die einige frühe Werke wie z.B. „Aufbruch“, „Kranzniederlegung“ oder „Konferenz“ als großformatige Vorstufen in Polyester bzw. Holz angesehen werden können.
Als Vorlage dienen ihm seine seit vielen Jahren gesammelten Bilder: Zeitungsbilder, d.h. von Journalisten produziertes Fotomaterial, vorrangig aus dem SPIEGEL, sowie die bei seinen regelmäßigen Italienaufenthalten entstandenen Bilder: entweder mit der Kamera in unwirtlichen, menschenleeren, von Reisekatalogen ignorierten Vorstadtvierteln Roms geschossene Fotos oder die Zeichnungen sizilianischer Inseln – z.T. unter nicht ungefährlichem Körpereinsatz auf im Meer liegenden Felsenklippen gefertigt und in wasserdichten Kapseln ans sichere Ufer transportiert.
Diese „Vorbilder“ – vom Künstler als „Niederschlag vielschichtiger Vorgänge“ betrachtet, werden jedoch nicht einfach kopiert, nicht illustriert, sondern als Quelle für eigene Interpretationen genutzt: räumliche wie inhaltliche Volumina werden herausgelesen und in den realen Raum geführt, das zweidimensionale Motiv um die Räumlichkeit erweitert. Die Dinge bekommen einen Abstand zueinander.
Und der Abstand zu den Dingen, zur Landschaft, zur Architektur, zu den szenischen Ereignissen, die räumliche oder die zeitliche Unerreichbarkeit des jeweiligen Sujets sind für Karlheinz Biederbick grundlegende Vorraussetzung für ein „Hineinsehen“, für die Vergegenwärtigung in Form des Reliefs.
Das Relief als große Herausforderung für den Bildhauer, der sich damit auf ein Terrain begibt, das in den verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte Werke höchster Qualität hervorgebracht hat.
Da müssen vor allem formale Probleme bewältigt werden:
Eine unendliche Landschaft ins Format einer größeren Postkarte transportieren.
Im frontalansichtigen Relief einen imaginären Raum erzeugen – im begrenzten Raum der Tonplatte: durch Verkürzung der realen Raumtiefe auf einige Reliefschichten,
auf unterschiedlich tiefe Bildebenen, als Flach- oder als Hochrelief oder als Synthese von beiden zum sogenannten „malerischen Reliefstil“.
Das Problem der Perspektive.
Das Sichtbarmachen einzelner Elemente, so dass die Dinge voneinander zu unterscheiden sind, wobei Polychromie nur durch die verschiedenfarbigen Tone zugelassen wird.
Das Problem, dem Einzelnen und dem Ganzen eine Struktur zu geben.
Das Problem, Wasser als flüssige, nicht greifbare Materie in festes Material zu bannen oder die Gegenstandslosigkeit der Felsmassen, das Leuchten des Mondes, der über Lipari gerade aufgegangen ist, und das Rot des Sonnenuntergangs an der Westküste.
Das Reduzieren der Protagonisten auf das Wesentliche, die Erfassung ihrer Charaktere durch Körperhaltung und Physiognomie – und das bei der Zeigefingergröße der Figuren. Oder noch nicht einmal …
Die nicht darstellbare Lautstärke eines Aufmarsches einfangen, die Euphorie oder die Hysterie der Massen mit erhobenem Arm, die Selbstherrlichkeit des schlimmsten Kriegsverbrechers, dessen Namen Karlheinz Biederbick nicht auszusprechen bereit ist und deshalb mit dem Kürzel „Hi“ ersetzt, den Geist aufgebrachter Revolutionäre, das Schicksal der Flüchtenden, den peinlichen Wahnsinn von Staatsinszenierungen, die im Raum knisternde Spannung bei Regierungsgesprächen.
Das alles löst er mit Scharfsinn, einer äußerst differenzierten Beobachtung menschlichen – nicht „humanistischen“ – Handelns, einer großen Portion Ironie und Witz und dem sicheren Gespür für die Bedeutung des Moments.
Im Katalog schreibt Karlheinz Biederbick über die Arbeit an diesen Miniaturen:
„Es bereitet mir jedes Mal einen kleinen Triumph, die wichtigen und unwichtigen Akteure – bevor sie ins Relief kommen – als Würstchen durch die Finger gleiten zu lassen.“
Gehen Sie nah ran und treten Sie weit zurück – bei richtigem Abstand und richtigem Licht werden Sie überwältigt sein von der Tiefe dieser Werke.
Susanne Ulbrich
Aktuelle Ausstellung:
VOLKER MÄRZ
"Affenstillstand"
21.03.-11.05.2012
Nächste Ausstellung:
KARL-HEINZ APPELT
"Form. Maß. Sinnlichkeit."
23.05.-20.07.2012
Vernissage: 23.05.12, 20 Uhr