| "Unzeitgemäße Zeitgenossen", 1986-89, Grimmaische Straße, Leipzig | |
| "Beginn einer Reihe", 1978-80, Bronze | |
| "Paar VII", 1973, Bronze | |
| "Ikarus VII", 2001, Bronze | |
| "Torso eines Gebeugten", Bronze | |
| "Wesen", 2010, Bronze |
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1942 |
geboren in Freiberg/Sachsen |
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nach dem Abitur Lehre als Holzbildhauer |
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1963-1969 |
Studium der Bildhauerei bei Gerhard Lichtenfeld an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle - Burg Giebichenstein |
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seit 1978 |
Leiter der Bildhauerklasse an der Burg Giebichenstein - Hochschule für Kunst und Design Halle |
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1982 |
Professur für Bildhauerei |
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seit 2001 |
Ehrenmitglied bei der American Numismatic Society New York |
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2008 |
Emeritierung |
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1973 |
Will-Lammert-Preis der Akademie der Künste Berlin |
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1975 |
Gustav-Weidanz-Preis, Halle |
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1984 |
Kunstpreis der DDR |
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1988 |
Kunstpreis des FDGB |
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2000 |
Sandford-Saltus-Preis der American Numismatic Society New York |
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2002 |
Grand Prix von FIDEM (Fédération Internationale de la Medaille) Paris |
Germanisches Nationalmuseum Nürnberg
Kloster Unser lieben Frauen Magdeburg
Kunsthalle Rostock
Kunstsammlungen der Veste Coburg
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Kunstsammlungen Frankfurt/Oder
Staatliche Kunstsammlungen München
Kunstsammlungen Weimar
Schlossmuseum Gotha
Staatliche Museen zu Berlin
Staatliche Galerie Moritzburg Halle
Württembergisches Landesmuseum Stuttgart
Britisches Museum London
Königliche Sammlung Stockholm
Museum Neuchatel
Rijksmuseum Leiden
Gruppe für die Opfer des Faschismus, 1969-1971, Gedenkstätte in Wernigerode
Großes Paar, 1973-1976, Leipziger Straße, Halle
Der Frieden bewahrt das Leben, Figurengruppe, 1974-1977, Friedensplatz, Dessau, Rostock-Lichtenhagen
Konsolfiguren, 1975-1980, Berufsausbildungszentrum Neubrandenburg
Figur Brecht, 1976-1981, Dessau
Marktbrunnen ("Göbelbrunnen"), 1976-1997, Halle
Raub der Sabinerinnen, 1978-1984, Figurengruppe für Magdeburg
Fortuna-Brunnen, 1981-1984, Freiberg
Bach-Denkmal, 1982-1984, Arnstadt
Sportlergruppe, 1983-1984, für IOC-Gelände, Lausanne
Unzeitgemäße Zeitgenossen, 1986-1989, Grimmaische Straße, Leipzig
Brunnen, 1985-1990, Kornmarkt, Quedlinburg
Figurengruppe Bert Brecht (1976) und Kurt Weill, 1995-1997, Lidice-Platz, Dessau
Die Verführung, 1996-1998, Hinter dem Richthause, Halberstadt
Mensch-Natur-Umwelt, 1998-1999, Expo-Projekt, Buna, Mitarbeit von Steffen Ahrens und Carsten Theumer
Wassertreppe, 1999-2001, Halle-Neustadt, unter Verwendung der Figuren des Nasreddin-Brunnens (1974-1977)
Brunnen, 2002-2003, Nicolaiplatz, Wernigerode
Brunnen Zwei Welten, 2002-2004, Entenplan, Merseburg
Juliana von Stolberg, 2005-2006, Stolberg
Glas-Fassadengestaltung, 2005-2006, TGZ III, Halle, gemeinsam mit Prof. Christine Triebsch
Gruftbogengestaltung und Porträt Christian Thomasius, 2006-2007, für den Stadtgottesacker, Halle
Brunnen Schlüssel für den Weinberg-Campus, 2007-2008, Halle, Mitarbeit von Marcus Golter und Carsten Theumer
Bodenplatte zum Gedenken an die Bücherverbrennung 2008, Universitätsplatz Halle
Volkmann-Büste, 2008-2009, Universitätsklinikum Halle
Gedenkstele für Jüdische Opfer, 2009, Deutsche Akademie der Naturforscher, Leopoldina, Halle
Adam Olearius, 2009-2010, Johannestor, Aschersleben
Aesculap, 2010, Ärztehaus, Ludwig-Wucherer-Straße, Halle
Ich begrüße Sie zur Ausstellung älterer, neuerer und ganz neuer Werke des Künstlers Bernd Göbel: Bildhauer, Grafiker, Denker, Professor, Schöpfer großformatiger Brunnen, Denkmale und Figurengruppen wie auch von Kleinplastiken, Medaillen und Holzschnitten, kritischer Beobachter, Einmischer und Mahner, darüber hinaus Liebhaber von Musik – vor allem Bach –, norwegischer Fjorde und gutem Kaffee – entweder „türkisch“ von seinen Studenten gekocht oder „italienisch“ von einer Schweizer Kaffeemaschine.
Die erste Personalausstellung des Künstlers in Leipzig. Ohne Titel, denn der Name „Göbel“ spricht für sich. Obwohl ihn in Leipzig kaum jemand mit einem der prominentesten Werke im öffentlichen Raum dieser Stadt in Verbindung bringt: mit fünf Figuren auf einem Balken auf einer Säule am Beginn der Grimmaischen Straße: „Unzeitgemäße Zeitgenossen“. 1990 mitten in die Fußgängerzone gestellt. Daran kommt man nicht so einfach vorbei. Daran eckt man an – wie ein Radfahrer in der Nacht, so dass dieses Werk nun auf einem Podest erhöht platziert ist. Da bleibt man stehen, liest Zitate namhafter Denker, rätselt über deren Initiale – im besten Fall auch über den Inhalt –, stellt Fragen, nach außen oder nach innen, guckt nach oben, verhaspelt sich beim Lesen der Inschrift „Rationalisatikerin“, fürchtet den goldenen Holzhammer der „Pädagogikerin“, spricht automatisch leiser unter dem „Diagnostiker“ mit seinem goldenen Hörrohr, lacht über den fetten Bauch des „Kunsttheoretikers“, das einem allerdings beim Blick auf den benachbarten, eitel zur Seite gedrehten, mit goldenem Lorbeerkranz verblendeten „Stadtgestaltiker“ im Hals stecken bleibt: der gibt sich als Sprengmeister, mit einer Zündmaschine in den Händen kurz vor Auslösung einer Explosion – und das unmittelbar an der Stelle, an welcher eine gotische Kirche einer vermeintlich sozialistischen Platzgestaltung geopfert wurde.
Das ursprüngliche Werk „Beginn einer Reihe“ – Sie sehen es in dieser Ausstellung –, entstanden Ende der 70er Jahre, zeigt Bernd Göbel 1982 auf der Kunstausstellung der DDR in Dresden, wo es von öffentlichen Personen der Stadt Leipzig rezipiert – wie auch immer – und in größeren Dimensionen in Auftrag gegeben wird. Man stellt ihm Bernd Lutz Lange als Paten zur Seite ….Und was sich da im Atelier abspielt, wenn zwei Querdenker zusammentreffen, das fragen Sie ihn am besten selbst!
Bernd Göbel wird 1942 in Freiberg/Sachsen geboren – als Sohn eines Tischlers und seiner aus der Landwirtschaft stammenden Frau. Die leidenschaftliche Möbelproduktion des Vaters und die vom Jahreszeitenrhythmus abhängige Arbeit der Großeltern legen wohl den Grundstein für die Wertschätzung handwerklicher Tätigkeit, für seine Liebe zur Natur, zur Natürlichkeit, vielleicht auch für sein Gefühl für Räumlichkeit, für Raumwirkungen – wenn er aufwächst zwischen den Welten der begrenzten Werkstatt und dem weiten Feld von 20 Hektar Land …
Als Kurrendesänger des Freiberger Doms atmet er mittelalterliche Kunst: beim heimlichen Besteigen der spätgotischen Tulpenkanzel Hans Wittens oder der ständigen Konfrontation mit der romanischen Triumphkreuzgruppe.
Richtungsweisend dann der Kunstunterricht in der Abiturklasse, erweitert durch Exkursionen mit einem Maler, bei dem er lernt, Farben zu mischen und perspektivisch zu zeichnen.
Weil er Kunst als „wesentlichen Teil vom Ganzen“ erkennt, studiert er, nach einer Ausbildung zum Holzbildhauer, von 1963-69 an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle – Burg Giebichenstein Bildhauerei bei Gerhard Lichtenfeld, Schüler von Gustav Weidanz, dem Begründer der halleschen Bildhauerschule.
Er schätzt das konstruktive Verhältnis zu seinem Professor, wird Assistent, erkennt plastisches Gestalten als „Disziplinierung der Form“ und darf für Gustav Weidanz beinahe die gesamte Kleinplastik dessen letzter zehn Lebensjahre gießen.
Die klare Linie in der Weitergabe „Burgspezifischer“ Werte setzt sich fort, als Bernd Göbel 1978 die Leitung der Bildhauerklasse übertragen wird. Dennoch gilt es, traditionell Vermitteltes zu hinterfragen. In seinem Werk führt das zu Materialkombinationen, Reihungen oder Positionierung der Figuren auf Balken, zur Entwicklung einer neuen Bildsprache in der Medaillenkunst: mit satirischen Zeichnungen, Dichterzitaten, zeitkritischen Anmerkungen oder Anpassung der äußeren Form an den Inhalt.
1982 wird er Professor für Bildhauerei.
Schon 1973 beginnt die Reihe von Auszeichnungen mit der Verleihung des bis dahin ausschließlich an Berliner Bildhauer vergebenen „Will-Lammert-Preis“ der Akademie der Künste Berlin. Es folgen der „Gustav-Weidanz-Preis“/Halle, der „Kunstpreis der DDR“, der „Kunstpreis des FDGB“, nach der Wiedervereinigung der „Ernst-Rietschel-Preis“/Pulsnitz, der „Sandford-Saltus-Preis“ der „American Numismatic Society New York“ – zum ersten Mal an einen Deutschen vergeben! – und 2002 der „Grand Prix“ der „Fédération Internationale de la Médailles d’Art“ in Paris.Bernd Göbel macht sich ein Bild vom Menschen, von menschlichen Zuständen, von gesellschaftlichen Missständen. Er stellt es in den Raum – auf Plätze, in Parks, in Fußgängerpassagen, auf IOC-Gelände oder in Flughafengebäude, in Ärzte-, Apotheken-, Theater- und Stadthäuser, in private Häuser und immer wieder in ein Museum. Persönlichkeiten – wie Arnoldi, Bach, Brecht, Olearius, Juliana von Stolberg, Thomasius, Weill, Volkmann – oder namenlose Personen – eine Familie, Männer, Frauen, Liebespaare –, Personen aus der Mythologie und Personifikationen von Friede, Leben, Glück, Hass, Liebe, Verführung, Natur und Zivilisation. Jeweils in ihrem Wesen erfasst. Ohne artistische Verrenkungen oder expressive Ausbrüche. Es geht um innere Haltungen. Kleine Gesten werden somit bedeutend: ein zur Seite ausgestelltes Bein des sitzenden Brecht, die in der Luft tastenden Fingerspitzen Kurt Weills, die überkreuzten Arme des verführenden Teufels. Große Gesten gibt es auch: Bach ohne Perücke und Mantel, mit durchscheinender Brust, als schöner Mann, mit ausgestreckten Beinen eher hingefläzt als sitzend. Und schließlich ein Skandal: der nackte Kardinal Albrecht von Brandenburg, mit seiner Geliebten und seinem Kämmerer in unzweideutiger Position.Das Oeuvre Bernd Göbels ist umfangreich, fast unüberschaubar. Was Sie hier sehen, ist eine kleine Auswahl – und trotzdem sind die Räume gefüllt: mit Werken, die immer auch für das Große und Ganze stehen.Ikarus – nach der „Römischen Tragödie“ (oder „Ikarus I“) von 1977-78 seit den 90er Jahren immer wieder aufgegriffen, als ständige und mehrfach gestellte Frage, wohin sie führen, die Entwicklungen des Menschen.
Ikarus – in der Mythologie Sohn des Daedalos, des Urvaters der Bildhauerei, des Mörders aus Neid, der deshalb nach Kreta flüchtet, wo er als Bauherr im Dienst des König Minos steht. Die einzige Chance, aus der Isolation auf der Insel auszubrechen und seinem Sohn die Freiheit zu schenken, ist für Daedalos der Weg nach oben, in die Lüfte, mit selbstgebauten Flügeln.
Den Ausgang kennen wir. Vielfach dargestellt in der Kunst und doch immer anders gesehen: der Todessturz des Ikarus. Im Westen vor allem als Zeichen des Übermuts, der Euphorie, des Ungehorsams oder auch als Rache des Schicksals für den begangenen Mord; im Osten dagegen als Sinnbild einer gescheiterten Utopie, andererseits als Ausdruck der Sehnsucht und des Strebens nach Freiheit, das aber beim geringsten Versuch der Realisierung mit dem Tod bestraft wird. Bleibt noch die Frage, warum sich ein ungarischer, im Ostblock äußerst präsenter Bushersteller den Namen „Ikarus“ gibt …?
Der „Ikarus“ Bernd Göbels – meist kopflos und noch anderer Gliedmaßen beraubt, durchbohrt und handlungsunfähig gemacht von kantigen, spitzen Gebilden oder rasterartigen Apparaturen, dabei wankend, fallend, aber immer noch nicht am Boden. Als Resultat der Technisierung des Lebens, als Ergebnis des kaum noch zu beherrschenden Einflusses von wissenschaftlichen Errungenschaften auf Menschheit und Natur – und aus der Sorge des Künstlers heraus kreiert, einem unkontrollierbaren Prozess der Entfremdung und Zerstörung geopfert zu werden.Aus anderen Zeiten die „Paare“: ganz bei sich selbst, eng umschlungen – zumindest einander zugewandt – zu einem geschlossenen Ganzen. Nur ein auskragender Fuß durchbricht den Kontur. Ein Tragen und Getragenwerden, ein Festhalten und Gehaltensein – mit aller Kraft, die dafür aufzuwenden ist, die das Spiel der Muskeln an der Oberfläche durchscheinen und zum Erlebnis werden lässt. In Zweisamkeit versunkene Körper – und doch gibt es den Blick der Frau zur Seite, der den Betrachter als Voyeur ertappt …Im Zentrum der Ausstellung: die „Wesen“, 2010 ganz neu entstanden. Fünfzehn relativ kleinformatige menschliche – männliche wie weibliche – Figuren mit aufgesetzten Tierköpfen von Wolf, Schwein – wild oder domestiziert –, Schaf und Fuchs oder einer Mischung aus Fuchs und Schaf. Die ambivalenten Bedeutungen dieser Tiere – das Schwein als Glückssymbol und unreine Sau oder der Wolf als nährende Mutter Roms und grässlicher Fresser von Rotkäppchen – schwingen mit im Theater der Maskierten: sitzende, kniende, gebeugte, sich duckende, kippende Gestalten. Eine hält einen Stab, eine andere biegt ihren, eine weitere zerbricht ihn und wieder eine andere weiß nichts damit anzufangen. Eine duckt sich, eine andere erhebt sich mit geballten Fäusten, eine ist so hoffnungslos in sich verdreht, dass Vorn und Hinten, Oben und Unten nicht mehr auszumachen sind. Eine ist eine gebrochene Figur mit einer zweiten Identität auf dem Schoß. Eine hält sich den Mund zu, eine andere kippt schreiend um.
Eine mit segnenden Händen trägt eine Priesterkappe. Und was man auf den zweiten Blick unter ihrem Mantel entdeckt, verschlägt einem die Sprache … Die an der Spitze Sitzende geht das alles nichts an: dieses Spektakel, als Spiegel der Gesellschaft, arrangiert auf einem schachbrettartigen Grund, der in dieser Form für keine Partie mehr taugt.Schließlich, in Holz geschnitten, die Graphiken. Landschaften oder figürliche Szenen, die oft gesellschaftliche Zustände verhandeln. Mit souveräner Linie gezeichnet. Im stärksten Kontrast von Schwarz und Weiß. Konzentriert jeweils auf eine Stimmung oder eine Situation, die sich dem Momentanen und Zufälligen entzieht, die Allgemeingültigkeit beansprucht. Das trifft für die Gliederung einer toskanischen Hügelkette ebenso zu wie für die szenischen Darstellungen, die – meist mit konkretem Bezug auf mythologische, religiöse oder historische Themen – universelle und immer noch aktuelle Befindlichkeiten menschlichen Zusammenlebens beinhalten, menschliches Handeln hinterfragen – beim „Bankett“, in der „Metro“ oder an einem ehemaligen Grenzübergang zwischen Welten, zwischen Systemen, zwischen den Zeiten …
Susanne Ulbrich
Aktuelle Ausstellung:
VOLKER MÄRZ
"Affenstillstand"
21.03.-11.05.2012
Nächste Ausstellung:
KARL-HEINZ APPELT
"Form. Maß. Sinnlichkeit."
23.05.-20.07.2012
Vernissage: 23.05.12, 20 Uhr